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Das war der Hammer – mit dem Diskus! Mika Sosna warf kürzlich die 1,5 Kilogramm schwere Scheibe auf 64,05 Meter. Damit stellte der 17-jährige Schüler aus Hamburg eine Weltjahresbestleistung in seiner Altersklasse auf. Für den richtigen Dreh sorgt auch eine spezielle Tape-Technik.

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Gunnar von der Geest

Fast schon liebevoll greift der 1,98 Meter große und 100 Kilogramm schwere Modellathlet zum Diskus. Immer wieder spürt Mika Sosna in seine Fingerkuppen hinein – und nimmt intensiv Kontakt mit dem Gerät auf. Alles läuft nach einem tausendfach praktizierten Ritual ab. Dann fährt er seine volle „Spannweite“ aus, rotiert im Ring und lässt die 1,5 Kilogramm schwere Scheibe in Millisekunden hinausschnellen. Der nahezu perfekte Wurf gelang dem Hamburger Top-Talent von der TSG Bergedorf bei einem Wettkampf in Neubrandenburg. Unter den Augen von Bundestrainerin Franka Dietzsch, ehemals dreifache Weltmeisterin im Diskuswerfen, erzielte der 17-Jährige 64,05 Meter. Weiter warf 2020 bislang niemand in der Altersklasse U 18 – weltweit. Für die beste Leistung des Tages erhielt er außerdem seine erste Prämie als „Semi-Profi“: 100 Euro.

„Dieses Gefühl, wenn du beim Loslassen der Scheibe schon weißt, dass sie sehr weit fliegen wird, das ist einfach unbeschreiblich.“

Mika Sosna, Weltklasse-Diskuswerfer in der Altersklasse U18

Gut in Form:

Modellathlet Mika steht viermal pro Woche im Kraftraum.

Der Traum von Olympia 2028

„Die Steigerung meines eigenen Hamburger Rekordes aus dem Jahr 2019 um mehr als acht Meter ist schon klasse. Und eine Weltjahresbestleistung wirft man auch nicht jeden Tag. Aber ich habe den Diskus auf keinen Fall hundertprozentig getroffen. Da geht noch wesentlich mehr“, erklärt der Leichtathlet von der Hamburger Eliteschule des Sports am Alten Teichweg. Diese ermöglicht besonders talentierten Jugendlichen, Unterricht und Hochleistungssport optimal miteinander zu kombinieren. So wird beispielsweise Rücksicht auf Trainingslager und Wettkampfreisen genommen. Mikas großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Sollte er verletzungsfrei bleiben und die Leistungskurve weiter so steil nach oben zeigen, könnte es 2024 (Paris) klappen. Da Werfer aber zumeist erst im höheren Alter ihre volle „Power“ entfalten, wären die Spiele vier Jahre später in Los Angeles vermutlich realistischer. Die Tage vom 21. Juli bis 6. August 2028 hat sich das Riesentalent jedenfalls im Kalender vorgemerkt.   

90

Stundenkilometer

bzw. 25 Meter pro Sekunde beträgt die Abwurfgeschwindigkeit, wenn der Diskus nach einer eineinhalbfachen Drehung im Ring die Hand verlässt. Etwa so schnell, wie eine Gazelle rennen kann. Übrigens: Über 70 Prozent der Wurfkraft kommt aus den Beinen.

Acht Trainingseinheiten pro Woche

Mika Sosnas Vorbild ist Robert Harting, der in seiner Karriere dreimal Weltmeister und einmal Olympiasieger werden konnte. Auch in puncto Statur kann der „Kleine“ durchaus noch etwas zulegen: In seinen besten Zeiten (70,66 Meter, 2012) brachte der 2,01 Meter große, durchtrainierte Berliner schließlich etwa 126 Kilogramm auf die Waage. An Motivation mangelt es dem Jugendlichen, der vor sieben Jahren mit der Leichtathletik angefangen hat, jedenfalls nicht. Achtmal pro Woche steht er zusammen mit seinem Trainer Juri Minor (65), einem ehemaligen sowjetischen Zehnkampfmeister der Junioren, auf dem Sportplatz bzw. im Kraftraum. Wie viel „Eisen“ er dort bewegt, will Mika indes nicht genau verraten. „In der Werfer-Szene machen wir ein kleines Geheimnis darum, was exakt auf dem Trainingsplan steht“, sagt er. „Die tiefen Kniebeugen absolviere ich mit 130 Kilogramm auf den Schultern. Das ist ein durchschnittlicher Wert. Bei den halben Kniebeugen bin ich im Vergleich deutlich stärker“, meint Mika, dem auch 100 Liegestütze hintereinander locker gelingen. Sein nächstes Saisonziel ist ein Angriff auf den deutschen U-18-Rekord, der bei 65,87 Metern steht.  

Klebemeister im Sport

Pflaster, Kompresse, Cool-Pack, Klebeband: So sieht bei vielen Sportlern – neben der spezifischen Ausrüstung – der Inhalt ihrer Sporttasche aus. Bevor Skeletonis mit bis zu 145 Stundenkilometern bäuchlings den Eiskanal hinunterrasen, verkleben sie das scharfkantige Metallgerippe mit einer Schaumstoffmatte. Auf diese Weise wird die ruppige Fahrt etwas erträglicher und das Gerät aerodynamischer. Eishockeyspieler präparieren die Kellen der Schläger mit Tapes – als Schutz für das darunterliegende Holz und zwecks besserer Führung des Pucks. Stabhochspringer verwenden Gewebebänder zum Umwickeln der Glasfaserstäbe, um mehr Griffsicherheit zu bekommen. Darüber hinaus kleben sie – ebenso wie Hoch-, Weit- und Dreispringer – mit farbigen Streifen Anlaufmarken an den Rand der Tartanbahn. Auch in der japanischen Schwertkampfkunst Iaido müssen die beiden Wettkampffelder rot bzw. weiß gekennzeichnet werden. Und da jede „handelsübliche“ Sporthalle zwar auf Hand-, Volley- und Basketball ausgerichtet, aber keine Fläche für Iaidoka vorgesehen ist, müssen vor jedem Turnier erst einmal die Klebemeister ran…

„So ein Talent wie Mika habe ich noch nie betreut. Ich traue ihm 70 Meter zu.“

Juri Minor, Trainer und ehemaliger sowjetischer Meister im Zehnkampf

Gut gewickelt:

Mit Klebebändern verbessert Mika die Verbindung zum Diskus.

Das Talent in die Wiege gelegt

Wer viel im Training verbrennt, muss sich entsprechend ernähren. „Meine Eltern haben gut damit zu tun, für mich und meine zwei jüngeren Brüder die Nahrung heranzuschaffen“, sagt Mika lachend. Zwischen 4500 und 5500 Kalorien beträgt – abhängig von den Trainingseinheiten – sein Tagesbedarf. Dass er allerdings als Mittagssnack, wie kürzlich in der Tagespresse zu lesen war, 15 Eier verdrücken würde, ist nur die halbe Wahrheit. „Ja, das ist einmal vorgekommen, aber sonst ernähre ich mich zwar proteinreich, aber deutlich ausgewogener“, versichert er. Das Talent wurde der deutschen Olympia-Hoffnung in die Wiege gelegt: Sein 72-jähriger Opa Vaclav wurde 2019 für sein Heimatland Tschechien Diskus-Weltmeister bei den Senioren. Und auch Mutter Michaela (47) war als Jugendliche eine hervorragende Athletin im 2,50 Meter großen Ring.     

Klebeband fürs „Handwerkszeug“

Training und Technik sind also gefragt, um Spitzenleistungen im Wettkampf abrufen zu können. Darüber hinaus hat jeder Sportler einen kleinen „Tick“, um der Konkurrenz einen Tick weit voraus zu sein. Mika Sosna vertraut seit rund einem Jahr den Gewebebändern von tesa, um damit sein wertvolles „Handwerkszeug“ zu umwickeln. „Ich tape die Fingerkuppen der rechten Hand zunächst mit 19 Millimeter breitem ‚Extra Power Perfect‘ und drehe dieses dann in der zweiten Wicklung mit der Klebefläche nach oben. So spüre ich eine tolle Haftung am Diskus“, verrät Mika. Auch in seiner zweiten Disziplin, dem Kugelstoßen, kommt das tesa Gewebeband zum Einsatz – hier allerdings die doppelt so breite Rolle. Damit werden die Finger im unteren Bereich stabilisiert. „Das ist gemäß Wettkampfordnung erlaubt, man darf nur nicht mehrere Finger zusammenkleben, um eine größere Fläche zu erzeugen“, sagt er. Mit Erfolg: Auch im Kugelstoßen konnte Mika den 42 Jahre alten Hamburger Rekord auf ausgezeichnete 17,28 Meter verbessern. Matthias Naumann, Head of Marketing tesa Consumer & Craftsmen (Deutschland) freut sich, den ehrgeizigen Leistungssportler unterstützen zu können: „Gern stellen wir Mika unsere Produkte, die normalerweise im Haushalt oder Garten zum Reparieren verwendet werden, zur Verfügung. Es wäre großartig, wenn wir einen kleinen Beitrag leisten können, um einem jungen Menschen seinen Olympia-Traum zu erfüllen.“

„Gern leisten wir einen kleinen Beitrag, um einem jungen Menschen seinen Olympia-Traum zu erfüllen.“

Matthias Naumann, Head of Marketing tesa Consumer & Craftsmen (Deutschland)